ERGÜL CENGIZ
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HARITA

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Diese Ausstellung ist gefördert von der Stiftung Kunstfonds.



Ergül Cengiz: Harita


Harita nennt Ergül Cengiz ihre neue Einzelausstellung in der Galerie Françoise Heitsch. Es ist das türkische Wort für Karte, Landkarte, Stadtplan und Titel einer Werkserie, in der die Künstlerin die Bedeutung dieses Begriffes auf persönlicher, geopolitischer und künstlerischer Ebene abschreitet. Die Namen „Oberammergau“, „Davenport“, „Bad Kohlgrub“ oder „Karlsfeld“ springen den Besucher:innen von quadratischen Landkarten entgegen, die über die Wand des Ausstellungsraumes verteilt sind. Die Karten entstammen dem Besitz ihres Schwiegervaters, sie dokumentieren Stationen seines Lebens und sind gleichzeitig zu Sehnsuchtsmotiven der Familie in Papierform geworden. Die physischen, topografischen Darstellungen hat Cengiz mit einem geometrischen Muster – einem Sechseck, angelehnt an die islamische Ornamentik – in unterschiedlichen Farben bedruckt; die gitterartige Struktur zieht andere Grenzen ein, bildet alternative Orte aus und definiert Flächenverteilungen neu. Die Karte wird durch die mathematische Perfektion des geometrischen Netzes mit einer neuen Ordnung belegt, dieser wird wiederum das vermeintliche Chaos und die Willkürlichkeit der Collage gegenübergestellt. Mit ihrer Bearbeitung des Ursprungsmaterials überlagert und verwebt die Künstlerin die unterschiedlichen Biografien ihrer eigenen wie die der angetrauten Familie, implizit natürlich aber auch all jene Leben der Personen aus den kleinen und großen Orten der Karte. Und sie reflektiert die konstruktivistische Natur von Grenzziehungen und Kartierung, Fragen von Perspektive, Peripherie und Zentrum. Wie ein Puzzle sind die einzelnen Linoldrucke aneinandergelegt, ihre Technik macht sie beliebig erweiterbar – ein subtiler Kommentar auf die Pluralität und Gleichwertigkeit von Perspektiven.
Unendliche Erweiterbarkeit der Einzelelemente, die untereinander keine Hierarchie kennen, zeichnet auch das kristalline Muster aus, das uns im Erdgeschoss in Form von farbigen transluzenten Glasarbeiten begegnet, die Ergül Cengiz zum Anlass der Ausstellung gestaltet hat. Geometrische Farbflächen – mal kräftig leuchtend, mal pastellig – überziehen die Glasträger, darüber legen sich verschiedenfarbige Stege, die sich überschneiden, untereinander durchtauchen oder an anderen Stellen gänzlich fehlen. Das von der Künstlerin entworfene Motiv basiert auf dem Prinzip der Girih-Kacheln, einer in der mittelalterlichen islamischen Architektur entstandenen Ornamentform, bei der durch das Zusammenfügen von mit Linien verzierter Kacheln unendliche Variationen komplexer quasikristalliner Muster erschaffen werden können. Die Glasarbeiten sind in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Hofglasmalerei Gustav van Treeck entstanden, einer 1887 gegründeten Münchner Traditionswerkstatt, spezialisiert auf die Anfertigung und Restauration von Glas- und Mosaikarbeiten und eine der letzten ihrer Art in Deutschland. Die von der Decke hängenden durscheinenden Gebilde tauchen den Ausstellungsraum in ein atmosphärisches Licht und wecken Assoziationen an sakrale Räume, den Lichteinfall durch Kirchenfenster, aber auch an die begehbaren Rauminstallationen eines James Turell. Aus der Nähe ermöglicht jede einzelne Farbfläche ein anderes Raumerlebnis, gemeinsam betrachtet rahmen sie hingegen das Dahinterliegende in fast malerischer, abstrahierender Weise ein und verwischen spielerisch die Gegensätze von Hinter- und Vordergrund, Außen und Innen, Durchblicken und Verunklaren.


Cordula Schütz



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This exhibition is sponsored by Stiftung Kunstfonds.



Ergül Cengiz: Harita


Harita is the title Ergül Cengiz gave her new solo exhibition at Galerie Françoise Heitsch. It is the Turkish word for chart, map, city plan and the title of a series of works through which the artist aims to examine the significance of this term on a personal, geopolitical, and artistic level. The names “Oberammergau”, “Davenport”, “Bad Kohlgrub” or “Karlsfeld” on mounted square maps, spread across the walls in the exhibition space will grab the visitors attention. The maps belonged to her father-in-law, they document stations of his life and have simultaneously become a motive of longing for the whole family in paper form. The physical, topographic depictions were imprinted by Cengiz with a geometric pattern in different colours – a hexagon, derived from Islamic ornamentation. The latticed structure draws different borders, forms alternative locations, and re-defines surface distribution. The map is ordered anew through the mathematical perfection of the geometrical net, which, in turn, is confronted with the presumed chaos and arbitrariness of the collage. With the reworking of the original material, the artist layers and interweaves the diverse biographies of her as well as of her spouse’s family; implicitly, however, also of all the people living in the small and bigger places on the map. And she reflects the constructivist nature of border demarcation and mapping, questions of perspective, periphery, and centre. The individual lino-cut prints are put together side by side like a puzzle, and they can be expanded in any possible way - a subtle commentary on plurality and equality of perspectives.
The infinite expandability of single elements, which do not know a hierarchy themselves, is also a feature of the crystalline patterns, which we encounter in form of colourful translucent glassworks on the ground floor. These were created by Ergül Cengiz solely for this exhibition. Geometric colour fields – which sometimes shine in bright, other times in pastel colours – cover the glass vessels over which varicoloured bars overlap, run below each other, or are missing in other places altogether. The motive designed by the artist is based on the principle of Girih tiles, an ornamented form derived from medieval Islamic architecture through which endless variations of complex quasi-crystalline patterns can be created by putting together tiles that are ornated with line motives. The glassworks were created in collaboration with the Bayerische Hofglasmalerei Gustav van Treeck, a Munich-based traditional workshop founded in 1887, specialised in the manufacture and restoration of glass and mosaic works and one of the last of its kind in Germany. The shine through structures, suspended from the ceiling, imbue the exhibition space in atmospheric light and create associations to sacral spaces, light shining through church windows, but also to the accessible spatial installations by James Turell. At close range, each individual colour field allows for a different experience of the space; when contemplated as one, however, they frame the background in a near picturesque, abstracting way and blur in a playful manner the contradictions between back- and foreground, exterior and interior, revelation and obscurity.


Cordula Schütz

Ergül Cengiz ( → Artist Website)
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Biography

1975geboren in Moosburg an der Isar
1996-2000Akademie der Bildenden Künste, München
1998-99Ausländer Stipendium, Akademie der Bildenden Künste, München
2000-03Hochschule für Bildende Künste, Hamburg
2002Projektförderung/ Freundeskreis der HfbK Hamburg
2003Projektförderung/ Kulturbehörde Hamburg
2004Projektförderung/ Freundeskreis der HfbK Hamburg
Diplom bei Prof. Werner Büttner
2005Projektförderung/ Kulturbehörde Hamburg

Solo Exhibitions

2020"Neu Hämelermoos" mit 3 Hamburger Frauen / Galerie Françoise Heitsch, München
2018"Pattern City" / Kunstverein Erlangen, Erlangen
"Umay" mit 3 Hamburger Frauen / Galerie Françoise Heitsch
"Zerre" / Françoise Heitsch, München
2017"SOMNAMBULISTAN" / Kunstverein Biberach e. V., Biberach
2015"FLAT LINE" / Ergül Cengiz feat. Moritz Altmann, Galerie Françoise Heitsch, München
2013"Borderlines" / Galerie Françoise Heitsch, München
2012"Natrixmatrix" / Berlinartprojects, Berlin
2009/10"Selbst-Ähnlichkeit" / Françoise Heitsch, München
2008"Bis ich Dich finde" / Galerie Françoise Heitsch, München
2006"Wahlverwandtschaften" / Galerie Reinhard Hauff, Stuttgart
2004"Ergül Cengiz – Bilder" / SkamRaum, Hamburg
"Ergül Cengiz – Bilder 2" / Trottoir, Hamburg
"Ergül Cengiz – Bilder 3" / Kunsttreppe, Hamburg
2000"B. B." / Galerie 53, München
2021"Harita" / Galerie Françoise Heitsch, München

Group Exhibitions

2021"Das KloHäuschen (München) – Ne travallez jamais" / Garage in der Fußgängerzone, München
"GLEICHSAM AUS DEM NICHTS" / Hans-Reiffenstuel-Haus, Pfarrkirchen
"FERNWEH" / Magda Bittner-Simmet Stiftung, München
"SCHWARZ // WEIß" / Zeitgenössische Papierschnitte, Neue Galerie Dachau
"CARNEVAL" / Als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Fleischermuseum Böblingen
"geheiratet - ungefeiert" / Hasenbergl, München
"Projekt StadtKunst Bausteine" / Aichach
2020"disCONNECTED" / Kuratiert von Till Ansgar Baumhauer, Motorenhalle, Projektzentrum für zeitgenössische Kunst, Dresden
2019"... aber fein" / Münchener Secession Pfarrkirchen
"Beste Aussichten" / K&K Kongress, Sardenhaus München
"Expedition" / Gedok Jahresausstellung, Altes und neues Rathaus Gräfelfing
"Kunst in den Mai" / Galerie Gedok, München
"Wieder Sehen" / Kunstarkaden, München
"Feelings" / Als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Pinakothek der Moderne, München "NETZWERKERINNEN DER MODERNE - 100 JAHRE FRAUENKUNSTSTUDIUM" / Als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Städtische Galerie Böblingen
2017"Old Fashioned" Kunstverein Hamburg, Hamburg / mit 3 Hamburger Frauen
"Somnambulistan" / Kunstverein Wasserburg AK 68, Wasserburg
2016"welcome I-1" / Ergül Cengiz, Christine Altona, galerieGEDOKmuc, München
2014"Notausgang am Horizont Kunstfrühling" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Bremen

"Female Intervention" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen,Kleine Humboldgalerie, Berlin
"5 billion solar years" / Galerie Reinhard Hauff, Stuttgart
KUNSTFRÜHLING BREMEN / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Gleishallen Güterbahnhof Bremen
2013"Paradies" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Auftragsarbeit Hämelerwald
2012"COMPILATION 2" / Kramer Fine Art Hamburg
"ABSORPTION" / Kunstarkaden München
"München 72 – Trainingsplatz einer Demokratie“ / Nemetschek Stiftung, München
GESICHT ZEIGEN! für ein weltoffenes Deutschland / e.V. München
2011Zimmer frei, Hotel Mariandl, Goethestr. 51, München
"Diaphanie" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Françoise Heitsch, München
"art.homes" / Austauschprojekt zwischen München und Istanbul, Kunstarkaden, München
"Mach Schau!" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Kunsthaus Hamburg
"Captain Pamphile – Ein Bildroman in Stücken" / curated by Gunter Reski & Marcus Weber, Collection Falckenberg, Phoenix Kulturstiftung, Hamburg
2010"art.homes" / Austauschprojekt zwischen München und Istanbul, München
"10 Jahre Palais für aktuelle Kunst" / Kunstverein Glückstadt, Glückstadt
"GESICHT ZEIGEN für ein weltoffenes Deutschland. 7 x jung Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respekt" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, S-Bahnhof Bellevue, Berlin
2009"Gemeinsame Sache" / Kasseler Kunstverein, Fridericianum, Kassel
2008"HEDIYE" / Françoise Heitsch, München
"WIR NENNEN ES HAMBURG" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Kunstverein Hamburg
"UNTIL I FIND YOU/SENI BULANA KADAR" / RODEO Gallery, Istanbul
2007"Norwegen Show" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Ballhaus Ost, Berlin
"Memento" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, ar/ge Kunst Galerie Museum Bozen
"Wir trauen uns…" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Kunstverein Neuhausen a. d. Fildern
"C & V Copieren und Verfälschen Vol # 3. Frauenportraits" / Künstlerhaus Hamburg
"Houseparty" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Galerie Oel-Früh, Hamburg
"Colombina" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Liste 07, The Young Art Fair Basel
Frauen / Künstlerhaus Worpswede
2006"Destruktion Show" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Lerchenfeld im Abendroth, Statens
"Arbor Bona, Arbor Mala – Zurück in die Zukunft / wir sind Paula" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Kunstakademie, Oslo
"Fauna/Hybrid" / Galerie Charim, Wien
"Remain in light" / Galerie Andreas Huber, Wien
"Cooling out – das Paradoxe im Feminismus" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, KunsthausBaselland, Basel & Lewis Glucksmann Gallery, Cork & Halle für Kunst Lüneburg
"Himmel & Hölle" / als Mitglied der 3 Hamburger Frauen, Kunstverein Weiden i. d. Oberpfalz
"Objects in mirror are closer than they appear" / centre for opinions in music and art, Berlin
20043 Hamburger Frauen, 2 Lassie, Frankfurt Lassie come home, mit 3 Hamburger Frauen, SkamRaum, Hamburg Legenda Aurea, SkamRaum, Hamburg Big in Japan, SkamRaum, Hamburg Wenn diese Wände sprechen könnten, mit 3 Hamburger Frauen, Kunstraum plan b, Hamburg Diamonds are forever, mit 3 Hamburger Frauen, Förderkoje Art Cologne, Köln "Verdunklung" / Künstlerhaus, Stuttgart
"Draw & Order 2" / Künstlerhaus, Stuttgart
"Kunst in der Börse" / Handelskammer Hamburg
"3 Hamburger Frauen" / Lassie, Wien
"Twinkle, Twinkle" / Galerie Reinhard Hauff, Stuttgart