3 HAMBURGER FRAUEN
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NEU HÄMELERMOOS

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11.09.2020 – 13.11.2020



Newsletter vom 4. November:
https://mailchi.mp/2ff79f51813e/lockdown-update-pin-auktion-21-nov-2020-...


Ausstellungsvideo "Neu Hämelermoos", Video by Elisabeth Kratzer (FB: Elisabeth Kratzer, IG: lislkratzer)
https://www.youtube.com/watch?v=uLtHQO7JUMk


Portfolio zur Ausstellung
https://mcusercontent.com/d0dbb83d5414f0d584a5effdd/files/f70d518c-a46f-...


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„Neu Hämelermoos“ lautet der unauffällige und gleichzeitig sperrig klingende Titel, den die 3 Hamburger Frauen für ihre aktuelle Ausstellung gewählt haben. Er weckt Assoziationen an einen eher kleinen Ort, vielleicht ein Dorf. Das „Neu“ lässt an die Erweiterung einer älteren Gemeinde denken, und die Endung „moos“ könnte auf ländliches Gebiet hindeuten. Dabei ist „Neu Hämelermoos“ auf keiner üblichen Landkarte zu finden. Der Name ist vielmehr artifizieller Natur und setzt sich aus Wortfragmenten zusammen, die mit Orten verbunden sind, an denen die Künstlerinnen ihre Kindheit verbrachten. „Neu Hämelermoos“ erweist sich als eine Neuschöpfung – ebenso wie die Selbstbezeichnung als „3 Hamburger Frauen“, denn weder wurden sie in Hamburg geboren noch leben sie dort, zumindest nicht alle drei. Ergül Cengiz, Henrieke Ribbe und Kathrin Wolf haben sich während ihres Studiums in Hamburg an der Hochschule für bildende Künste kennengelernt und arbeiten seit 2004 als Künstlerinnenkollektiv zusammen. Ihre – neben einem jeweils individuellen Schaffen – gemeinschaftlich entstehenden Arbeiten finden Ausdruck vor allem in Wandbildern, Skulpturen, Installationen und Filmen.
Der Ausstellungstitel „Neu Hämelermoos“ ist also – wie schon die bewusste Wahl des Künstlerinnenamens oder die Gemeinschaftsarbeiten ohne klar zu trennende Autorinnenschaft – durchaus programmatisch zu verstehen. Er verweist auf eine Reihe von Aspekten, mit denen sich das Selbstverständnis des Trios charakterisiert. Die Erschaffung eines utopischen Raums, aber auch die Vorstellung vom Ausstellungort als einer fiktionalen Zone sollte jedoch weniger als Realitätsflucht gedeutet werden denn als Wunsch, Grenzen aufzulösen und die Wirklichkeit zu erweitern. Räumliche Distanzen sind in dieser Vorstellung aufgehoben, Zeitstränge parallel gestellt oder miteinander verschmolzen, Biografien neu definiert. Das aristotelische lineare und zielgerichtete Geschichtsdenken hat sich längst verabschiedet. Das Neu-Collagieren vermeintlich unveränderlicher Fakten, Konstruktionen oder Situationen wird in diesem künstlerischen Werk zum Lebensprinzip unhierarchischer Verbindungen. Dies lässt sich auch an der zentralen Arbeit in der Ausstellung ablesen, in der Malerei und Filmprojektion einander überlagern und miteinander kommunizieren, um Starres und Flüchtiges, veränderliches Licht und feste Materie als gleichrangige Erfahrungsmomente spürbar zu machen.
Wenige Gehminuten von der Ausstellung in der Galerie Francoise Heitsch entfernt, in der Pinakothek der Moderne, ist noch bis Ende Februar 2021 eine weitere große Arbeit der 3 Hamburger Frauen zu erleben: Auf hohen, gegenüberliegenden Wänden befindet sich dort das zweiteilige Wandbild „I´ll Be Your Mirror“, das speziell für die Ausstellung „Feelings. Kunst und Emotion“ konzipiert und realisiert worden ist. Mit kraftvollen Farben, Figuren und Ornamenten kommen hier ästhetische Elemente zusammen, die sonst unvereinbar erscheinen. Auf der einen Wand zeigen sich die drei Künstlerinnen nackt bis auf die Unterwäsche. Ungeschminkt und verletzlich posieren sie mit dem Handy für ein Selfie. Auf der Wand gegenüber verwandeln sie sich in drei überlebensgroß dargestellte, mächtige „Moiren“, jene Göttinnen der griechischen Antike, die den Schicksalsfaden der Menschheit knüpfen, aber auch trennen. Lebenslust und Lebenslast, Selbstbewusstsein und Selbstbefragung im Medienzeitalter scheinen sich hier zu spiegeln. Wer sind wir tatsächlich? Wo sind wir Image? Und: Wer hat die Macht über unsere Identität?
In einem Jahr, das sich im Rückblick als ein Schicksalsjahr für die Welt erweisen dürfte, lässt sich aus dem Schaffen der 3 Hamburger Frauen eine Haltung herauslesen, die zukunftsweisender nicht sein könnte. Eine neue Zeit ist angebrochen – und wer wäre jetzt sonst aufgerufen, diese Zeit bewusst, vertrauensvoll und vor allem: in wertschätzender Gemeinsamkeit zu gestalten, wenn nicht jeder und jede Einzelne von uns?


Bernhart Schwenk


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"Neu Hämelermoos" is the inconspicuous and at the same time unwieldy title the 3 Hamburger Frauen have chosen for their current exhibition. It evokes associations of a rather small place, perhaps a village. The prefix "Neu" (Engl. new) makes one think of the expansion of an older community, and the ending "moos" (Engl. moss) could suggest rural territory. Yet "Neu Hämelermoos" is not to be found on any map. Rather, the name is artificial, and its word modules reference the places of the artists’ childhood. "Neu Hämelermoos" turns out to be a neologism – just like the self-designation as "3 Hamburg Women", because they were neither born nor live in Hamburg, at least not all three of them. Ergül Cengiz, Henrieke Ribbe, and Kathrin Wolf met during their studies at the Academy of Fine Arts Hamburg and have been collaborating as a women’s art collective since 2004. In addition to pursuing individual paths, they make collaborative projects that find expression primarily in sculptures, installations, murals and films.
The title of the exhibition "Neu Hämelermoos" is thus to be understood in a programmatic sense, as is the art collective’s name and the dissolution of distinguishable authorship in their pieces. The title refers to a number of aspects that characterise the trio's group-image. However, the creation of a utopian space, but also the idea of the exhibition space as a fictional zone, should be interpreted less as a flight from reality than as a desire to dissolve boundaries and expand reality. Spatial distances are suspended in this idea, timelines are placed in parallel or merge together, biographies get redefined. Aristotelian linear and teleological thinking have long been left behind. The re-collaging of supposedly unchangeable facts or constructs becomes the principle of non-hierarchical combinations in this artistic approach. It can also be seen in the exhibition’s main piece, in which painting overlaps with film in order to make the rigid and the ephemeral, flittering light and solid matter perceptible as equally important aspects of experience.
In the immediate vicinity of the exhibition at Galerie Françoise Heitsch, in the Pinakothek der Moderne, another major work by the 3 Hamburger Frauen can be seen until February 2021: On high, opposite walls spreads the two-part mural "I'll Be Your Mirror", which was conceived and realized especially for the exhibition "Feelings. Art and Emotion". Various aesthetic elements that otherwise seem incompatible, like bright colours, figurative painting and ornaments, are put together. On one wall the three artists show themselves naked except for the underwear. Unpolished and vulnerable, they pose with their cell phones for a selfie. On the wall opposite, they transform themselves into three larger-than-life, powerful "Moira", fate goddesses of Greek antiquity, who weave the thread of human destiny, but also hold the power to cut the thread. Lust for life and burden of life, self-confidence and self-questioning in the media age seem to be reflected here. Who are we really? Are we just a persona? And: Who has the power over our identity?
In a year that in retrospect might turn out to be a decisive one for us all, an attitude can be read from the work of the "3 Hamburger Frauen" that could not be more forward-looking. A new time has dawned – and who else would be called upon to shape this time consciously, trustingly and above all in appreciative community, if not each and every one of us?


Bernhart Schwenk

3 Hamburger Frauen ( → Artist Website)
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Biography


Ergül Cengiz
1975in Moosburg a.d. Isar geboren, lebt und arbeitet in München und Istanbul

Henrieke Ribbe
1979in Hannover (Hämelerwald) geboren, lebt und arbeitet in Berlin

Kathrin Wolf
1974in Ruit (Neuhausen auf den Fildern) geboren, lebt und arbeitet in Hamburg

Solo Exhibitions

2020"Neu Hämelermoos" / Galerie Françoise Heitsch, Munich
2018"Umay" / Galerie Françoise Heitsch, Munich
2017“OLD FASHIONED“ / Kunstverein Hamburg, Hamburg
2015"COLLECTOPIA" / Palais für aktuelle Kunst, Kunstverein Glückstadt
"Together Forever" / Palais für aktuelle Kunst, Kunstverein Glückstadt
"Hollywood Forever Cemetry" / ES gallery, Meran, Italien
2014"Notausgang am Horizont" / Kunstfrühling 2014, Bremen
Kleine Humboldgalerie, Berlin
2013"Paradies" / Auftragsarbeit Hämelerwald
2012"Zeit ist Honig" / Kunst im öffentlichen Raum, Hamburg/Neuwiedenthal
"Timemine" / Projektraum Glockengasse No.9, Wien
2011"Mach Schau!" / Kunsthaus Hamburg
"Diaphanie" / Françoise Heitsch, München
"Pamphile Show" / Sammlung Harald Falckenberg, Harburg
2010"Alles/Nichts/Oder" / Galerie Koal, Berlin
"Kapitän Pamphile" / Kunstverein Waldkraiburg
2009"Never change a winning team" / Kunsthaus Hamburg
"Kapitän Pamphile" / Jet Ausstellungsraum, Berlin
"Gemeinsames Sache" / Fridericianum, Kunstverein Kassel, Kassel
2008"3HFbdVfdAS2008fbKdFuHHIK" / Kunsthaus Hamburg
2007"Wir sind Paula" / Künstlerhäuser Worpswede
"Columbina Performance" / Liste Basel, Basel
"Houseparty" / Galerie Ölfrüh, Hamburg
"Wir trauen uns" / Kunstverein Neuhausen a.d.F., Neuhausen a.d.F.
"Ophelia's World AR/GE" / Kunst Museum Galerie, Bozen
2006"Himmel und Hölle" / Kunstverein Weiden i.d.O.
"Cooling out – Paradoxien des Feminismus" / Kunsthaus Baselland, Basel / Lewis Glucksmann Gallery, Cork (Irland) / Halle für Kunst, Lüneburg
"Summer Destruction Show" / National Academy of Fine Art, Oslo
2005"Diamonds are forever" / ART COLOGNE, New Talents, Förderkoje
"Wenn diese Wände sprechen könnten" / Ausstellungsraum Plan b, Hamburg
"Lassie come home" / SKAM, Hamburg
2004"twinkle, twinkle" / Galerie Reinhard Hauff, Stuttgart
"3 Hamburger Frauen" / Lassie Ausstellungsraum, Wien

Group Exhibitions

2019"FEELINGS – Kunst und Emotion" / Pinakothek der Moderne, München
"Netzwerkerinnen der Moderne – 100 Jahre Frauenkunststudium / Städtische Galerie Böblingen, Böblingen